Abendmahlgottesdienst.
Mama! Das schmeckt echt gut, das Brot von Jesus.
Das Brot von Jesus ist wirklich lecker, das war das Beste!
(Menschen täuschen Hustenanfälle vor. Mitten im Altarraum. Haben Sie ein Bild? Ja?)
@ 2011-12-31 – 19:30:02
Abendmahlgottesdienst.
Mama! Das schmeckt echt gut, das Brot von Jesus.
Das Brot von Jesus ist wirklich lecker, das war das Beste!
(Menschen täuschen Hustenanfälle vor. Mitten im Altarraum. Haben Sie ein Bild? Ja?)
@ 2011-12-30 – 22:04:36
Wenn ich die Augen schließe und meine erste Erinnerung suche, dann ist es 1979. Es ist Winter und weil die Menschen in Norddeutschland diese richtig kalten Winter mit viel Schnee und Eis gar nicht kennen, rücken sie in diesen Wochen näher zusammen. In den Hochhäusern kochen die Menschen gemeinsam, weil manche Lebensmittel knapp geworden sind und weil die Siebziger eben so waren. Meine Erinnerungen haben einen ordentlichen Rot Stich, versteht sich von selbst. Der Schnee liegt meterhoch auf unserer Terrasse und meine Mutter schiebt die weißen Massen auf den Rosenbeeten zusammen, damit ich mit meiner Schwester Schlittenfahren kann. Ich kann mich nicht an ihr Gesicht erinnern, aber ich weiß noch genau, wie sehr ich ihren Geruch geliebt habe.
Ich stelle mir das Gesicht meiner Mutter vor. Sie ist nun Ende dreißig. Sie weiß, dass ihr Leben noch vor ihr liegt und auch, dass sie schon schwere Zeiten hinter sich hat. Ein Teil der Zuversicht und Entschlossenheit der Zwanziger ist aus ihren Augen verschwunden, aber sie hat Pläne und Träume in dieser Zeit. Nennen Sie sie ruhig Supermom, für ihre Kinder würde sie ihr Leben geben. Ohne mit der Wimper zu zucken. Eines Tages wird sich die Lieblingsschwester nach dem Kino verspäten und meine Mutter wird mit der Gaspistole in der Tasche losziehen, um sie zu suchen.
Der Morgen, an dem ich meine Mutter zum letzten Mal sehen werde, ist trüb und grau. Es ist der Tag vor Weihnachten. Ich bin müde und verspannt, mein Hals schmerzt und ich habe kaum geschlafen, seit die Ärzte uns eröffnet haben, dass meine Mutter Weihnachten nicht erleben wird. Wir sind alleine mit ihr, Herr elbkind und ich. Zum ersten Mal seit drei Tagen. Sie sieht winzig aus, flüstere ich, und ihre Nase ist so spitz. Aber ihr Gesicht ist rosig und ihr Atem ist voller Kraft und Wille. Alles ist unwirklich.
Wir sitzen bei ihr und unterhalten uns leise, erzählen, halten ihre Hand. Sie schläft jetzt tiefer. Alle Medikamente sind abgesetzt und sie bekommt seit ein paar Tagen Morphium gegen die Schmerzen. Und gegen die Angst. Krebs ist ein Arschloch und Lungenentzündung Arschlochs kleine Schwester. Ich weiß, dass sie stirbt. Aber nicht jetzt. Nicht, wenn ich da bin, Vielleicht, wenn die andere Schwester bei ihr ist. Oder alleine. In ein paar Minuten werden wir gehen, das Kind aus dem Kindergarten abholen. Weihnachten feiern.
Die Atemzüge meiner Mutter werden leichter, weniger mühsam. Vielleicht schläft sie, sage ich und ziehe die Augenbrauen zusammen. In ihrem Mund sammelt sich Schaum und ich bitte einen Pfleger, ihr zu helfen. Als ich wieder zu ihr sehe, verliert ihr Gesicht plötzlich die Farbe, von Sekunde zu Sekunde. Blasser. Gelblich. Ich frage, ob ich meine Schwestern anrufen sollte. Der Pfleger nickt nur. Ich setze mich neben die kleine, zerbrechliche Gestalt meiner Mutter auf das Bett und nehme ihre Hand. Es ist ok, flüstere ich. Es ist ok. Es ist ok.
Aus dem Auge meiner Mutter rollt eine letzte Träne die Wange hinunter. Dann ist sie fort.
Ich lege meinen Kopf gegen die Hüfte meines Herrn elbkind und weine. Weine um ihre Hoffnungen, ihre Liebe, ihre Zuversicht und unsere Pläne. Weine, weil sie so lange gelitten hat und weil ich so lange schon nicht mehr konnte. Ich weine, weil ich überrascht bin und einfach nicht damit gerechnet habe. Nicht jetzt, nicht in diesem Moment. Und weil sie mir so unendlich fehlt.
Und ich weine vor Erleichterung, weil ich weiß, dass ihr nun nichts Schlimmes mehr passieren kann.
@ 2011-12-24 – 11:03:56
Ach Mutsch.
Wir hatten doch noch so viel vor.
Es ist ok, weißt Du?
Aber trotzdem.
@ 2011-12-23 – 10:23:19
Was für ein köstliches kleines Kunstwerk! Vor ein paar Tagen stand ich vor einem kleinen Regal mit sünteuren, herzförmigen Petit Fours Förmchen aus Staniol und ich musste sie kaufen, ohne einen Schimmer zu haben, was eines Tages aus ihnen werden würde. Liebe auf den ersten Blick, oder so was, fragen Sie mich nicht.
Und dann war da diese Idee von gebrannten Mandeln und weißer Schokolade, von Butter und Sahne und einem winzigen, winzigen Hauch braunem Rum...
@ 2011-12-22 – 22:10:34
Was denkst Du?, fragt die Lieblingsschwester. Ich weiß nicht, gähne ich, aber nichts ist vorbei, bevor die dicke Dame singt. Und ich versuche, mir selber zu glauben.
Viel später sitze ich alleine im Dämmerlicht dieses winzigen Zimmers, in dem jede von uns jeden Zentimeter zu kennen scheint, und streiche abwesend über die brüchige Papierhaut, die offensichtlich die Knochen an der Hand meiner Mutter zusammenhält. Ihre Augen sind geschlossen, ihre Nase so unerträglich spitz. Ich singe für sie. Gedankenverloren. Irgendein Lied, das ich vor einer Ewigkeit für mein Kind gesungen habe.
Und plötzlich fallen alle Teile an ihren Platz, alles liegt vor mir. Die dicke Dame singt.
Es ist vorbei.
Was bleibt, ist Warten.
@ 2011-12-20 – 21:00:29
Ach, ich wünsche mir, dass ich bald einen Bruder oder eine Schwester hätte...
Ich fürchte, ich kann erstmal keine Kinder kriegen, Spätzchen.
Warum?
Weil ich krank bin...
Oh nein! Ich müsste das besser früher sagen, bevor Deine Krankheit gekommen ist!
(Nein, mein Herz. Das hätte nichts geändert.)
@ 2011-12-16 – 23:11:36
Der Hach-wenn-ich-es-mir-wünschen-dürfte-Wunschzettel Ende des Sommers umfasste eine kleine Handvoll hübscher Dinge. Einmal im Leben essen können, was ich mag, ohne zuzunehmen, etwa. Und unbedingt ein paar Kilo abnehmen. Mühelos, versteht sich von selbst. So richtig, richtig, richtig kreativ und produktiv sein. Nur eine Weile. Brennen, für das, was ich mache und keine Grenzen haben. Und dann vielleicht ein paar Tage Urlaub, die Beine hochlegen, nichts tun. Zeit für mich.
Nun ist es mit dem Wünschen ja so eine Sache. Schwierige Sache, dieses Wünschen. Haben Sie mal Die Affenpfote gelesen? Ich meine ja nur.
Ich habe das also alles bekommen. Alles. Bis ins letzte Komma. Nur vielleicht nicht ganz genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte. Und zu einem wirklich hohen Preis, wenn Sie mich fragen, ein Fair Trade Siegel bekommt dieser Handel jedenfalls nicht.
Was wünsche ich mir jetzt? Eine ruhigere Zeit, möglicherweise. Aber vielleicht bin ich dann im Sommer taub. Oder ich lasse das mit dem Wünschen einfach mal für eine Weile sein. Ganz im Ernst.
@ 2011-12-15 – 22:51:44
Nachdem ich neulich Käse und Butter gesucht und im Gefrierschrank gefunden habe und die Salatgurke letzte Woche in der Besteckschublade, heute nun eine ziemlich schmerzhafte Verwechslung von Augen- und Ohrentropfen. In der denkbar schlechtesten Variante, versteht sich von selbst. Brennen höllisch, die Ohrentropfen im Auge, aber das nur nebenbei. Also nur, falls Sie das längst mal ausprobieren wollten. Lassen Sie 's besser.
@ 2011-12-15 – 19:07:09
[Azubi] Oh, guck mal, wir sind bei dem Produkt
einen Cent billiger geworden...
[Ich] Ja.
Dem Chef haben meine Rundungen nicht gefallen.
Öhöm.
@ 2011-12-10 – 14:42:54
Kinder schenken anders, sagt man, schenken wirklich von Herzen. Sie basteln und friemeln, dekorieren und schneiden, was das Zeug hält. Und wenn ich diese kleinen, krüppeligen Weihnachtssterne sehe, dann brechen sie mir das Herz. Ich bin schwer gerührt, wirklich. Aber ich mag sie nicht besonders. Eine Weihnachtssaison lasse ich sie gewähren, dann verschwinden Sie in der Kiste mit den Basteleien und Erinnerungen.
Und weil das so ist, sind wir jedes Jahr auf der Suche nach dem perfekten Mitbringsel für Großeltern und Patentanten, etwas, das Bestand hat, etwas, das das Kind selber machen kann und das trotzdem ein wirklich fabelhaftes Geschenk abgibt. Dieses Jahr: Badecupcakes für die Tanten und Erzieherinnen.
@ 2011-12-09 – 23:01:01
Als Herr elbkind und ich ungefähr ein Jahr verheiratet waren, sind wir zusammen nach Bali geflogen. Bali ist ein wunderbarer Ort, voller Frieden und Heiterkeit. Zumindest war es damals so, bevor Eat Pray Love Bali populär gemacht hat.
Auf der Hauptstraße von Kuta ist von Friede und Heiterkeit allerdings nicht viel zu spüren und der Gestank von Diesel und allerlei anderem liegt über der Räucherstäbchenidylle der Tempelhöfe. Pott?, wispert es hinter mir her, Pott?!. Die fliegenden Händler machen mich nervös. Unwillkürlich beschleunigt sich mein Schritt und wie immer, wenn ich angespannt bin, tastet mein Daumen ganz unbeabsichtigt nach dem schweren Goldring an meinem Finger.
Und findet ihn diesmal nicht. Abrupt bleibe ich stehen und drehe mich nach Herrn elbkind um. Meine Augen geweitet, meine Hände feucht, ich stammle irgendetwas unverständliches. Herr elbkind lächelt überraschend entspannt.
In den letzten Monaten hatte ich vielleicht ein paar Kilo abgenommen oder so, jedenfalls saß mein Ring inzwischen sehr viel lockerer an meinem Finger als an dem Tag, an dem Herr elbkind ihn zum ersten Mal über meinen Finger geschoben hatte. Und so hatte ich ihn offenbar während der Nacht irgendwi im Hotelbett verloren. Das Zimmermädchen hatte ihn vermutlich am Morgen genau dort gefunden und freundlicherweise auf den Nachttisch gelegt, wo Herr elbkind ihn schließlich fand und aufhob, um ihn in den Safe zu legen. Ohne mir ein Sterbenswörtchen davon zu sagen, versteht sich von selbst.
Er wollte, sagte er mir auf dieser Straße zwischen all den Menschen, er wollte mal sehen, wann ich es merke. Beinahe genüsslich. Und ich? Ich bin an Ort und Stelle in Tränen ausgebrochen. Vor Wut und Erleichterung und irgendeiner diffusen Mischung aus einer Handvoll weiterer Dinge.
Daran musste ich heute denken, als ich am Bahnhof vorbei fuhr und dort unser Auto in einer Parklücke stehen sah. Manchmal muss man eben zehn Jahre warten, bis sich die richtige Gelegenheit für eine angemessene Replik ergibt.
@ 2011-12-09 – 19:12:12
[Azubi] Weißt Du, es gibt doch diese Läden...
wo einem so kleine Fische die Hornhaut von den
Füßen knabbern?
[Ich] Jaaah. Schon. Sushi mal andersrum.
@ 2011-12-01 – 21:41:49
Im Auto, unterwegs in Suburbias Innenstadt.
Ohh, Mama! Ich glaub -- ich spinne.
Warum glaubst Du, dass Du spinnst, Spätzchen?
Weil ich die Weihnachtsdeko überall so mag.
(Weihnachtsdeko?! Manchmal istdas Kind ja 'n büschn merkwürdig. Irgendwie.)
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